Mittwoch, 18. September 2013

Erntezeit mit blindem Passagier



Ghislana hat ihren blinden Passagier schon vor Tagen an die Luft gesetzt, inzwischen sind die schwarzen Beeren auch im Norden reif genug geworden und auch bei mir krabbelten die Schnecken rum ;-)
 

   
  
 Auch bei Sabine gab's am Freitag eine Schnecke zum Thema "Ganz nah dran", da schick ich meinen Zwerg doch gleich mal hinterher.
 
 
    
   
 
   

Aber erstmal durfte er in meinem Garten weiterkrabbeln und mich vom Abpuhlen der Beeren ablenken genauso wie das folgende Exemplar, dass feststellen musste, in einer Sackgasse gelandet zu sein.
   
 
    
   
Nachdem ich im vorletzten und letzten Herbst irgendwie kaum noch Zeit zum Sammeln hatte, ist diese Leidenschaft wieder neu in mir erwacht. Ist es die Rückbesinnung auf Ursprüngliches, das Anlegen von Wintervorräten als Nachfahre der Jäger und Sammler oder eher der Versuch, mir so viel wie möglich Landleben zu konservieren so kurz vor dem Umzug in die Stadt, auch wenn ich der Insel weiterhin sehr nah sein werde?
   

    
    
 Gleichzeitig ist das Ernten eine willkommene Draußenbeschäftigung an immer noch sonnigen, aber doch schon deutlich kühleren Tagen. Und eine Ablenkung vom eigentlich fälligen Kistenpacken.
 
  


Eine ziemlich große Ladung hab ich mir da geholt und am Nachmittag im Garten gesessen, um möglichst viele Beeren von den Stielen zu puhlen. Ich kann mich an keinen Herbst erinnern, an dem die Holunderdolden so gleichmäßig gereift sind, ich so wenig grüne oder schon getrocknete Beeren aussortieren musste. 

Es macht Spaß ... gleicht fast einer Meditation ... die Beeren mit den Fingern sanft von den Stielen zu zupfen, dabei den größeren Widerstand noch unreifer Beeren zu spüren und sie dann sanft in die Schüssel rollen zu lassen, während die Gedanken dabei fließen und das Wochenende mit seinen vielen Eindrücken und Erinnerungen noch einmal vor meinem geistigen Auge vorbeizieht.

 


 So wandert jetzt fast jeden Tag ein Schwung Beeren in den Gefrierschrank und bald ins Gärfass. Mal sehen, was das Experiment Holunderwein so bringen wird und mir mein Lehrmeister dazu beibringen kann.

 
  

 Auch schon ewig nicht mehr gesammelt hab ich Hagebutten. Eigentlich wollte ich nur schnell noch Hopfenblüten ernten für Kräuterkissen. Aber da stand so ein Hagebuttenstrauch daneben und leuchtete.

 
  

 Jetzt trocknen sie in meiner Küche und werden im Winter im Teeglas landen.
  
  
 
Gerade angefangen hat noch einer andere Erntesaison ... die der Zitrone des Nordens.

 
  

 Tiefgefroren lassen sich die leuchtenden Beeren noch ganz gut von ihren Ästen brechen. Danach wandern sie bei mir durch die Fruchtsaftzentrifuge. Mit Gelierzucker 1:1 wurde diesmal ein leckeres Gelee aus der ersten Ladung, der nächste Saft kommt pur in die Flaschen.

Die ausgedrückten Schalen dürfen dann im Backofen trocknen, immer beim Anheizen vor dem Backen, wenn es noch nicht so heiß ist. Für den Kompost sind sie viel zu schade, hier bleibt nichts übrig. Trocken verfeinern sie später manche Soße oder Teemischung, zusammen mit Sanddorn wurde sogar aus dem leicht bitteren Hustentee der Lieblingstee meines Sohnes.

 


Der Herbst ist doch eine verdammt leckere Jahreszeit ;-)


 

Kommentare:

  1. Guten Morgen Antje,
    fleißig, fleißig, kann ich da nur sagen!
    Mit all den gesunden Sachen ist der 100. Geburtstag schon einzuplanen!
    Gutes Gelingen wünscht,
    Luis

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    1. Lieber Luis,

      ich muss mich doch wieder fit machen.

      Aber mal ganz ehrlich, wenn ich den 95. mit regem Verstand und auf eigenen Beinen feiern kann, bin ich viel zufriedener als am 100. die Presse im Haus zu haben ;-)

      Nen lieben Gruß von Antje

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  2. Ich bin begeistert, von der Fülle und den Farben und dem Geschmack auf der Zunge(hier sind die Holunder-Dolden nicht so gleichmäßig gereift, oft war von grasgrünen bis schon verschrumpelten alles an einer dran...), und die winzige Schnecke ;-). Wenn ich deine Perlenberge so sehe, weiß ich, dass ich an meinen diesbezüglichen Meditationen noch zu arbeiten habe..., ne, natürlich in Fluss zu kommen habe... Mit Hagebutten habe ich noch nie was gemacht, weil ich immer dachte, man muss die Kerne rauspulen? Muss man nicht? Hab viel Freude mit deinem konservierten Sommer! LG gh

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    1. Liebe Ghislana,

      wenn der Holunder diesmal nicht so toll wäre und ich nicht sowieso Meditationszeit verschrieben bekommen hätte, wäre ich auch nicht so fleißig.

      Für Hagebuttenmarmelade sollte man die Kerne rauspuhlen oder die gekochten Früchte passieren. Dafür hab ich aber nicht genug Geduld. Im Tee stören sie nicht, sie haben sogar selber gesundheitlichen Wert (http://www.gesundheit-heute.de/index.php?title=Hagebutte).

      Ich halbiere Hagebutten einfach, dann trocknen sie schneller. Und wenn ich die Kerne nicht im Tee haben will, fülle ich alles in ein zu großes Glas, wenn es trocken ist, schüttel kräftig und kann dann die Schalen mit deutlich weniger Kernen oben abnehmen.

      Nen lieben Gruß von Antje

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  3. So schöne Impressionen liebe Antje ♥ Von der Insel in die Stadt auf das Festland. Das wird sicherlich eine Umstellung.
    LG Sabine

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Ich freu mich über jeden Kommentar, anonyme Kommentare musste ich allerdings abwählen.